Samstag, 16. Juli 2011

Schutzmann 4

Sie haben gesagt, das System funktioniert nicht. Inwiefern funktioniert es nicht? – Na ja, das System funktioniert schon. Aber in wessen Sinne? – Änderung des Meldegesetzes. Seit 2006 muss, wer sich behördlich anmeldet, keine Bescheinigung des Vermieters mehr vorlegen. Hintergrund: Die wollten die Knäste leer machen, sagt der Schutzmann und erklärt es mir. Wenn Sie eine Straftat begangen haben und OFW sind (ohne festen Wohnsitz) werden Sie automatisch in Haft genommen. Ist hingegen nicht zu erwarten, dass Sie die Straftat gleich wieder begehen und Sie einen festen Wohnsitz nachweisen können, bleiben Sie auf freiem Fuß bis das Verfahren abgeschlossen ist. – Und deshalb wurde der Nachweis eines Mietverhältnisses abgeschafft? - Und die Anmeldung erleichtert. Um Mittel einzusparen bei der Finanzierung der Haftunterbringung. Weil sich nun selbstverständlich jeder, der nicht blöd ist, anmeldet. Er muss ja nicht seine richtige Adresse angeben oder überhaupt einen Wohnsitz haben. Er kann irgendeine Adresse nennen. Zum Beispiel Ihre. Dann begeht er eine schwere Straftat, kann fliehen, wird aber identifiziert. Halbe Stunde später bricht das SEK Ihre Wohnungstür auf und bevor Sie auch nur Aber sagen können, liegen Sie zum Paket verschnürt auf dem Boden und zwar so lange, bis die SEK-Leute in Ihrer Wohnung Anhaltspunkte dafür gefunden haben, dass Sie nicht der sind, den sie suchen. – Krasses Beispiel. Im Alltag stellt sich das weit verbreitete Phänomen der Scheinanmeldungen weniger aufregend dar. Da geht es auch meist nicht um die Verfolgung von Schwerverbrechern, sondern darum, dass der Halter eines Fahrzeugs ermittelt werden muss oder dass einer seinen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens nicht bezahlt hat. Kinkerlitzchen. Aber dadurch, dass der Halter an der Adresse, an der er gemeldet ist, gar nicht wohnt und ihn auch niemand dort je gesehen hat, wird daraus für den Schutzmann eine Ermittlungsaktion mit allem Drum und Dran, inklusive der aus Kino und TV bekannten Mauer des Schweigens, auf die er trifft, wenn er sich zu der gesuchten Person durchzufragen versucht.

Verarscht
Der Schutzmann erzählt so lebendig von seinen Erlebnissen bei Wohnsitz-Ermittlungen, dass ich mir nicht nur gut vorstellen kann, was für ein Lebensgefühl das ist, mit so einem Kram seine Tage verbringen zu müssen, sondern mir obendrein an seiner Stelle verarscht vorkomme, während ich ihm zuhöre. Zugleich jedoch sind diese Geschichten sehr unterhaltsam und es gibt immer wieder was zu lachen. Zum Beispiel, wenn der Schutzmann die Übersprungshandlung mit dem Handy vorführt: Schutzmann fragt nach dem Aufenthalt des Bruders, Cousins, Freundes, Mitarbeiters, Kollegen. Befragter greift wortlos zu seinem Handy, schaut es nachdenklich an, lässt einen Finger über die Tastatur kreisen, als wolle er gleich eine Nummer aus dem Telefonverzeichnis heraussuchen. Doch dann hält er inne, weil ihm einfällt, dass er die neue Nummer des Bruders noch nicht hat, oder es fällt ihm ein anderer Grund ein, warum er dem Polizisten die Nummer nicht geben kann. - Alle machen sie das. Alle! Genau so. Immer auf die gleiche Art, sagt der Schutzmann. Und das nächste ist dann, dass sie mir eine andere Nummer geben wollen von jemandem, der etwas wissen könnte. Die wählen sie dann gleich selbst und dann reichen sie mir das Handy. - Früher ist er da noch ran gegangen. Inzwischen weiß er, dass er da nur etwas erzählt kriegt, das er auch schon hundertmal gehört hat, und deshalb sagt er nun: Hör zu! In Wirklichkeit sage ich natürlich Sie. Hör zu, sage ich, wenn du mir jetzt nicht sagst, wo ich deinen Bruder finde, dann hast du ein multiples Problem und das Problem heißt XXXXX YYYYYYY (=sein Vor- und Nachname). – Das klingt wie ein Zitat aus einem amerikanischen Polizeifilm. Aber manchmal wirkt es. Noch wirksamer: die Good-Cop-Nummer - wenn die Angelegenheit es zulässt. Dann erklärt der Schutzmann dem Befragten geduldig, warum er seinen Bruder sprechen will. Zum Beispiel, dass es nur um einen Mahnbescheid wegen eines Strafzettels über 35 Euro geht, der nicht zugestellt werden konnte, und schon hat er ein ganz anderes Gespräch: Was?! Nur 35 Euro! Warum hast du das nicht gleich gesagt?

Respekt
Dass er sich verarscht vorkommt von den Leuten, dass hat der Schutzmann nicht ein Mal gesagt in den zweieinhalb Stunden, in denen er mir von seiner Arbeit erzählt hat. Vielleicht ist das auch gar nicht so und nur mir kommt es so vor, wenn ich mich in seine Lage versetze. Er hingegen sieht die Lügerei, das Ausweichen und Hinhalten, das Dummstellen als Teil eines Spiels an, das gar nicht anders laufen kann. Er muss nur wissen, was er zu tun hat, damit er es gewinnt. - Und manchmal verliere ich eben, sagt er. Das muss ich akzeptieren. - Jedenfalls ist das nicht sein  Problem. Worunter er leidet, was aus dem Job, mit dem er sich identifiziert, einen Scheiß-Job macht, das ist die Feindseligkeit, der er als Polizist begegnet, die Verachtung, die Geringschätzung, die seiner Arbeit entgegengebracht wird. - Es gibt keinen Respekt vor der Uniform, sagt er. - Wenn ich irgendwo reinkomme, kann ich sicher sein, dass irgendein Clown aufspringt und die Arme hochreißt und ruft: Ich bin unschuldig! Ich bin es nicht gewesen! Und alle anderen lachen. – Oder ich gehe eine Straße lang, steht einer am Straßenrand neben seinem Auto, sieht mich und fragt: Habe ich richtig geparkt? - Was soll das? Das muss er doch  wissen, ob er richtig geparkt hat. – Eine seltsame Mischung von schlechtem Gewissen und Hohn ist das, die sich da zeigt. Schwer zu erklären.

Um die Stelle als Kontaktbereichsbeamter hat er sich auch deshalb beworben, weil er den Streifendienst nicht mehr ertragen hat. Weil er auch nach der zehnten Leiche noch nicht so abgestumpft war, dass er die Erinnerung daran nach Dienstschluss ausknipsen konnte. Weil er es nicht mehr sehen wollte, was übrig bleibt auf den Schienen von einem, der sich vor die U-Bahn geworfen hat. Weil er, wenn er über Funk hörte Motorradunfall, sofort gedacht hat: Oh Nein! Bloß nicht wir! Bloß nicht dahin! Nicht dahin kommen und dann sitzt der da und spuckt Blut und deshalb nimmst du ihm den Helm ab und in dem Helm steckt dann die Schädeldecke und sein Gehirn liegt frei, aber er lebt noch. - Hat er gesehen. Wollte er nicht noch mal erleben. Deshalb ist er KOB geworden. Mit geringerem Gehalt, weil keine Nacht- und Sonn- und Feiertags-Zuschläge. Aber dafür nicht mehr diese Bilder sehen müssen. Nicht immer erst dann dazu kommen, wenn etwas schrecklich schief gelaufen ist. Mit seinem Einsatz etwas tun können, um zu verhindern, dass es so weit kommt. Da sein zu können für die Leute und die Leute wissen das auch, dass er für sie da ist. 

So hat er das gesagt. Nicht wörtlich. So habe ich es verstanden. Und als wir uns verabschiedeten, habe ich ihn - unwillkürlich - am Oberarm angefasst, als ich mich für das Gespräch bedankt habe. Keine Ursache, hat er geantwortet. Neben seiner Tätigkeit als KOB fährt er immer noch ein- bis zweimal die Woche im Funkwagen Streife. - Wegen der Zuschläge? habe ich gefragt. - Nein, wegen Personalmangel.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Schutzmann 2

Im Amtsdeutsch bin ich für einen Polizisten polizeiliches Gegenüber, im Korrektdeutsch Bürger. Und wenn die Kollegen unter sich sind, sprechen sie von Kunde oder Patient. Unsere Schöneberger Patienten, sagen sie dann.

Das Gebäude in der Gothaer Straße nennen sie nicht Revier oder Wache, sondern Abschnitt 41 oder einfach Abschnitt: Früher standen unsere Einsatzfahrzeuge vor dem Abschnitt. Jetzt müssen wir sie auf den Hof stellen, damit sie nicht zerkratzt oder angezündet werden.

Laut
Wenn ich vor dem Abschnitt an der Tür stehe und nicht gleich weiß, wo ich läuten soll, steht hinter mir ein Mann in Freizeitkleidung und fragt im Ton des Anschnauzens, was ich will. Worauf ich zurückfrage: Sind Sie Polizist? Und nachdem er das mit strenger Amtsmiene bejaht hat, grinse ich und erkläre, dass ich gleich eine Verabredung mit Herrn Soundso habe. Darauf nimmt er mich mit rein und erklärt mir, im Ton wie ausgewechselt, wo ich den Kollegen finde. Am Montag war gerade Schichtwechsel auf der Wache, als ich ankam  Wache nennen sie den Raum, wenn man reinkommt rechts, der Einsatzzentrale und auch Empfangsraum ist. Der Schichtwechsel führte dazu, dass ich nach dem Läuten gefragt wurde, was ich will, es sagte, aber dann nach drei Minuten immer noch vor der verschlossenen Tür stand, noch mal läutete und dann in der für mich typischen lauten Art fragte, warum ich nicht reingelassen werde. Als ich drinnen war, wurde ich auf der Treppe zur Wache von einem jungen Beamten wütend zur Rede gestellt mit der Frage, warum ich ihn angebrüllt hätte. Ich dachte: Vorsicht! Der Mann ist hochgradig neurotisch. Aber er war nicht neurotisch, er wollte nur nicht angebrüllt werden. Nachdem ich ihm nämlich erklärt hatte, dass das Laute bei mir kein Brüllen ist, sondern nur meine Art, mich bemerkbar zu machen, und er mir darauf das mit dem Schichtwechsel erklärt hatte, kümmerte er sich um mich mit einer solchen Hilfsbereitschaft, dass es mir am Ende peinlich wurde. Denn nun zeigte sich, dass ich eine halbe Stunde zu früh dran war und wir Herrn Namespieltkeinerolle gar nicht finden konnten, weil er noch unterwegs war, auf dem Rückweg von seinem Kontaktbereich zum Abschnitt.

Streng
Als Herr N. pünktlich eintraf, war er angefressen, weil der Kollege ihm meinetwegen hatte hinterher telefonieren müssen, wo wir doch ganz klar 13.30 Uhr verabredet hatten. Ich gab mich entspannt und antwortete: Ist doch nicht schlimm. Wir sind eben von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgegangen. Worauf er streng feststellte, das sei aber schon mal eine ganz schlechte Voraussetzung für unser Gespräch. – Ach was, sagte ich, der kleine Konflikt sei eine gute Vorbereitung für unser Gespräch. So lernen wir uns kennen und verstehen.  – Da bin ich mir nicht sicher, dass wir uns verstehen werden, erwiderte er bissig. Und obwohl ich mich mit meinen Interviewpartnern prinzipiell bestens verstehe, weil ich ja was von ihnen will und mich, während ich mit ihnen spreche, so weit wie möglich in sie hineinversetze, hatte ich nun Zweifel, dass mir das bei ihm gelingen würde. – Zweieinhalb Stunden später gab es daran keinen Zweifel mehr: Sehen Sie, jetzt haben wir uns doch verstanden, sagte ich zu ihm und fragte ihn darauf, ob das eine Masche von ihm und seinen Kollegen ist, erst mal das polizeiliche Gegenüber einzuschüchtern und sich so Respekt zu verschaffen? – Indirekt bestätigte er das, indem er darüber sprach, dass man damit spielen können muss. Dass man den strengen Ton dann auch wieder zurücknehmen und entgegenkommend sein muss, sonst erreicht man nichts. Nicht alle Kollegen könnten das. Er schon. Beweis: 23 Jahre Polizist in der Hauptstadt ohne eine einzige Beschwerde! Und darauf sei er mehr stolz als auf die zwei Sterne auf den Schulterklappen (Dienstgrad Oberkommissar) und auf die Urkunde für besondere Verdienste, die er zu Hause an der Wand hängen hat.

Karriere
Die Urkunde hat er bekommen für seinen Einsatz in einer Task Force des LKA zur Prävention von Hooliganismus bei der Fussballweltmeisterschaft 2006. Da war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Kurz davor war er für eine Lehrtätigkeit bei der Polizeiausbildung angefordert worden. Das wollte er machen, das wäre es gewesen. Aber klar, dass er erst einmal der Berufung in die WM-Task Force gefolgt ist. Das hatte die höhere Dringlichkeit. Die Berufung zur Lehrtätigkeit würde ihm nicht davon laufen. Tat sie auch nicht. Doch nach der WM verweigerten ihm seine Vorgesetzten beim Abschnitt 41 die Freigabe für die Lehrtätigkeit und ließen ihn nicht gehen. – Was?! Wie kann das sein? – So ist das bei der Berliner Polizei. Da ist nichts Persönliches im Spiel. Kein Neid, keine Missgunst. So weit denken die gar nicht. Denen geht es nur um Personalzahlen. Personal ist knapp, also wollen die Vorgesetzten jeden Mann, jede Frau halten, ohne Rücksicht auf  Fähigkeiten und Entwicklungschancen, die sich jemandem anderswo bieten. – So etwas wie Personalentwicklung wie in der freien Wirtschaft gibt es nicht. Es gibt das gleiche Hauen und Stechen in der Hierarchie wie in den Unternehmen, den gleichen Konkurrenzkampf, bei dem Eigenschaften gefordert sind, die mit dem Kerngeschäft nichts zu haben. Doch es gibt keine Anstrengungen, die Leistung der Organisation durch die Förderung Einzelner zu verbessern. Jeder soll alles können und wird eingesetzt da, wo gerade jemand gebraucht wird. Also fuhr er wieder Streife, und da er das schon viel zu lange gemacht hatte, griff er sofort zu, als im Abschnitt vor vier Jahren eine KOB-Stelle frei war. Demnächst wird er 44, blickt geringschätzig auf die zwei Sterne auf seinen Schulterklappen und spricht voller Verachtung über das Rattenrennen um die höheren Positionen im Polizeidienst: So will ich nicht sein, um da zu punkten, sagt er. Das interessiert mich alles nicht. Ich will nichts mehr werden. Mein Platz ist draußen. Als Schutzmann. Auf der Straße. Da gehöre ich hin. - Fortsetzung folgt. 

Mittwoch, 13. Juli 2011

Klimakterisch

Post von Edeka. Vom Kunden- und Ernährungsservice in der Zentrale in Hamburg. Sie danken mir, dass ich mich mit meinem Anliegen zum Reifegrad von Pfirsichen an sie gewandt habe und versichern mir, dass die Zufriedenheit der Kunden im Mittelpunkt ihrer unternehmerischen Aktivitäten steht. Aktivität ist jetzt, dass sie mir erklären, dass Pfirsiche zur Gruppe der so genannten klimakterischen Früchte gehören: Das bedeutet, dass sie. ähnlich wie Avocados, Aprikosen oder auch Äpfel, nach der Ernte weiter reifen. Bei dem Reifeprozess wird innerhalb der Frucht Stärke in Fruchtzucker aufgespalten. Die Früchte werden weicher, süßer und saftiger. Folgt Argumentation über die Druck- und Stoßempfindlichkeit der Früchte und ihre geringe Haltbarkeitsdauer im Reifezustand und der Schluss, dass viele Kunden die Früchte deshalb gerne so kaufen, wie sie bei Edeka angeboten werden, und dass das Unternehmen solche Kunden angemessen bedienen möchte: mit harten Pfirsichen, die sie tagelang liegen lassen können, bevor die Kunden sie essen. Und damit mein Engagement trotz dieser Nachrichtenlage nicht umsonst war, erhalte ich einen Warengutschein von 5 Euro, den ich in jedem Edeka-Markt einlösen kann.

Tja, und jetzt? Muss ich abrücken von der Überzeugung, dass es ein Nachreifen nicht gibt. Denn es gibt nun mal klimakterische Früchte, die sich auszeichnen dadurch,  d a s s  sie nachreifen. Und dass es Kunden gibt, die das schon wissen, sehe ich, als ich zu Edeka in die Gleditschstraße gehe. Dort liegt ein Haufen harter Nektarinen herum wie Bleikugeln; niemand will sie haben. Von den harten Pfirsichen hingegen gibt es nur noch einen Restposten. Davon nehme ich mir eine extraharte Frucht, die ich sonst ärgerlich zurückgelegt hätte, und starte (13.07.11, 14.30 Uhr) ein Experiment: Wird der von mir bei Zimmertemperatur liegen gelassene Pfirsich in zwei Tagen weich, saftig und aromatisch sein? - Ich wiederhole meine Ankündigung: Wenn sich zeigt, dass ich gesponnen habe, werde ich das zugeben.

Aber noch ist es nicht so weit. Bei meinem weiteren Einkauf treffe ich den Supermarkt-Mitarbeiter, der mir am Samstag geraten hat, an die Geschäftsleitung zu schreiben. Ich erzähle ihm, was dabei herausgekommen ist: Sie schreiben mir, dass es so ist, wie sie es machen. Und sie verweisen auf die zahlreichen Kunden, die das akzeptieren. Er sagt darauf, dass die Pfirsiche auch kaum zum jetzigen Preis verkauft werden könnten, wenn sie reifer angeboten würden und somit ein höherer Anteil verdorbener Früchte einkalkuliert werden müsste. - Darauf antworte ich, wenn man dieses Risiko nicht einzugehen bereit ist, darf man eben nicht mit Früchten handeln, dann muss man Nägel, Schuhe oder Pullover verkaufen. - Wir sprechen dann über Gewinnspannen und flexible Preisbildung und ich sage einen Satz, mit dem ich mich zur Knalltüte mache, aber trotzdem recht habe: Man kann ein Unternehmen führen wie einen Öltanker oder wie ein wendiges Schnellboot. - Was soll er dazu sagen? Er schaut mich nachdenklich an und sagt dann, er findet es jedenfalls gut findet, dass ich an die Geschäftsleitung geschrieben habe, und das bekräftigt er, indem er hinzufügt, wörtlich: er findet es gut, dass das endlich mal jemand gemacht hat. Woraus ich schließe, dass ich nicht der erste und einzige Kunde bin, der sich in diesem Supermarkt über das unreife Obst beklagt hat.

An der Kasse zahle ich für den härtesten Pfirsich, den ich je gekauft habe, 60 Cent. Auf dem Nachhauseweg gehe ich bei Imad vorbei (dem libanesischen Obst- und Gemüsehändler gegenüber der Apostel-Paulus-Kirche) und kaufe mir einen reifen Pfirsich, den ich morgen zum Frühstück essen kann, zum Preis von 70 Cent. Der Pfirsich kommt aus Frankreich und duftet nach Sommer und nach Süden. Der Pfirsich von Edeka kommt auch aus Frankreich und ist geruchlos. Wird sich das ändern morgen, übermorgen? Experiment. Spannung.

Dienstag, 12. Juli 2011

Hohn

Send me an angel! Right now. Oder wenigstens jemanden, über den ich mich aufregen kann. Denn Oguzhan ist noch nicht dazu gekommen, Empört Euch!  zu lesen, und bis ich aussagefähig bin zur Fortsetzung von Schutzmann dauert es noch, so dass ich noch nicht weiß, was ich heute bloggen werde. – Statt eines Engels wird mir geschickt ein Mann um die 30. Er kommt mir entgegen in der Akazienstraße. Zusammen mit einem Begleiter, der sein Fahrrad neben sich her schiebt, und wegen des Begleiters und seinem Fahrrad müsste der Mann sich jetzt zu einer leichten Ausweichbewegung entschließen, um mir genug Platz zu machen, damit ich nicht seinetwegen hinter dem Aufsteller des Buddha-Hauses warten muss, bis er an mir vorbei gegangen ist. Auf dem Aufsteller sind die preisgünstigen Tagesgerichte des Restaurants aufgelistet. Der Aufsteller mit den Tagesgerichten des Buddha-Hauses nimmt knapp ein Drittel des Bürgersteigs ein; anders geht das nicht, sonst fällt er nicht auf. Der Aufsteller ist nicht das Problem. Im Grunde genommen ist es auch kein Problem, dass ich wegen des Mannes stehen bleiben muss. Ich kann mir währenddessen die Zeit vertreiben, indem ich ihn mir anschaue. Er ist ganz in Weiß gekleidet, dunkelhaarig, einen Kopf größer als ich, gutaussehend auf eine Art, wie es viele sind, und sein linker Unterarm ist eingegipst. Den Gipsarm hält er angewinkelt hoch, was irgendwie schwuchtelig aussieht, aber auch nur deshalb, weil ich zwar nicht gehört habe, was er zu seinem Begleiter  sagte, als er vorüberging, aber wie er es sagte, das habe ich gehört. Den Unterarm hält er natürlich nicht hoch wegen Schwuchteligkeit, sondern um sich Erleichterung zu verschaffen, da der Arm mit dem Gipsverband zu schwer ist, um ihn baumeln zu lassen. So wie er auf seinen Begleiter einredet, mit weit ausholender Gestik des anderen Arms, könnte ich denken, er produziert sich gerade vor seinem Begleiter oder flirtet ihn an oder geht gerade so auf in der Großartigkeit seiner selbst, dass er wie ein im Spiel versunkenes Kind nicht mitkriegt, was um ihn herum geschieht. Dass er mich also gar nicht sieht. Ist das denn so schlimm? – Natürlich nicht. Aber ich, eilig unterwegs zur Back-Factory, weil ausgehungert, ich bin gereizt, und weil mir wieder kein Engel geschickt worden ist, sondern der Mann mit dem Gipsarm, der so tut, als gäbe es mich nicht, rumort es in mir. Und weil es in mir rumort und weil ich gereizt bin und weil das Leben mir keinen Engel geschickt hat, lasse ich mich gehen. Wie gut, dass ich mich gehen lasse. Denn jetzt wird es interessant. Nachdem ich vier Schritte weiter gegangen bin, drehe ich mich um und rufe zornig: Bist du so toll? – dass du denkst, den ganzen Bürgersteig für dich zu haben, will ich damit sagen, muss ich aber nicht. Der Mann hat mich auch so verstanden. Denn sofort dreht er sich um und ruft zurück: Bist du so alt? – dass was? bleibt ungeklärt. – Ah, jung bist du also auch noch! rufe ich höhnisch zurück. Womit unser Dialog beendet ist und alles geklärt: Er hat mich nicht übersehen. Er hat gewusst, was er tat, als er nicht ausgewichen ist. Und seine Entscheidung, sich so zu verhalten, hatte nichts damit zu tun, dass er sich für so toll hält, wie ich erst irrtümlich annahm, sie hatte zu tun mit er jung/ich alt. – Beschwingt vom Hohn meiner Bemerkung: Ah, jung bist du also auch noch! kaufe ich mir in der Back-Factory eine Laugenstange und ein Brötchen, stopfe heißhungrig die Laugenstange gleich in mich hinein, bin danach zu allen Leuten, die mir begegnen, so liebenswürdig, wie ich es lange nicht mehr war, und weiß, dass ich mir den Engel erst noch verdienen muss.

Montag, 11. Juli 2011

Schutzmann

Es ist eines der besten Interviews, das ich je gemacht habe. Aber dafür kann ich nichts. Erst nach einer Stunde stelle ich die erste Frage, eine Zwischenfrage. Und da weiß ich schon, ich werde es vermasseln. Ich habe kein Aufnahmegerät eingeschaltet; es liegt zu Hause mit leeren Akku-Batterien. Als ich das feststellte, dass sie leer sind, dachte ich, nicht so schlimm, es wird reichen, wenn ich mir Notizen mache. Aber so viele Notizen kann ich mir nicht machen, wie ich mir machen müsste. Mein Gegenüber lässt mir keine Zeit zum Mitschreiben; er hat keine Laberphasen, in denen er sich wiederholt oder in Nebensächlichem verliert, so dass es genügt, nur halb hinzuhören. Er erzählt eine Geschichte, schnell und geradeaus und klar gegliedert. Angefangen hat sie damit, dass ich sagte, Ihr jüngerer Kollege, mit dem ich mich eben kurz unterhalten habe, der ist ja ganz zufrieden mit seiner Arbeit als Polizist. Worauf er antwortete, er sei nicht zufrieden mit seiner Arbeit, und dann erklärte er mir, warum nicht. Die Erklärung war die Erzählung. Erst dachte ich, die Erzählung ist eine einzige Beschwerde, eine Klage über die Ohnmacht der Polizei. Das System funktioniert nicht, sagt der Polizist. Weil seine Arbeit im liberal rechtsstaatlichen Gemeinwesen Beschränkungen unterliegt? Deshalb will er schärfere Gesetze, kriegt sie nicht, wird politisch zum Ultra? Doch wer hört schon auf ihn? Ich gerade. Mit meiner Sympathie für die Polizei. Hoffentlich kriegt die jetzt keinen Knacks, denke ich und mache mir Sorgen um mein Projekt: Polizeiarbeit in Schöneberg. Unbegründet. Mein Gegenüber ist kein Ultra. Es geht nicht um Politik. So einfach ist es nicht.

Schutzmann, das gute alte Wort, das verwendet er immer wieder. So bezeichnet er sich selbst, als Schutzmann. Das will er sein. Das schreibe ich über den Text. Fortsetzung, wenn ich das Gespräch mit ihm verarbeitet habe.  

Sonntag, 10. Juli 2011

58

Ein Bild von Judith Brunner habe ich noch. Das Letzte der Bilder, die wir zusammen ausgewählt haben, um sie hier zu zeigen. Erst auf den zweiten Blick als Brunner-Bild erkennbar: Durch einen einfachen Photoshop-Trick (Verdoppelung) wird das Figürliche zum Muster und, Pointe: Kitsch zum Surrealismus.

jagd, 2011        digidruck, 140x100 cm 

Das Geburtstagkind ist noch unterwegs, kommt erst am spätern Abend zurück von der Ferienreise an die Ostsee. Als Geschenk gibt es daher etwas, das in eine E-Mail passt .. .  Cut. Ende Textentwurf von heute Nachmittag. Geschenk - wäre gewesen: Link zu Interview: Alfred Hitchcock and François Truffaut (Aug 1962). Ausschnitte aus der Tonbandaufzeichnung des ca. 50stündigen Interviews, das dem Buch zugrunde liegt, das auf Englisch einfach nur heißt: Truffaut/Hitchcock und in der deutschen Übersetzung den Titel hat: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? Anneli und ich, wir haben das Buch damals, Anfang der 70er Jahre, auf Deutsch gelesen und 1976 haben wir im Österreichischen Filmmuseum in Wien eine Retrospektive der Filme von Alfred Hitchcock (in den Originalfassungen) gesehen. Zusammen mit Tilman, der vor kurzem 70 Jahre alt geworden ist, wie Anneli erwähnte vorhin, als ich sie überraschend erreicht habe zu Hause, und dass Tilman 70 geworden ist, das hat sie erwähnt, weil das sein mag, dass er 70 geworden ist, genauso wie es sein mag, dass ich exakt elf Monate älter bin als sie, aber das interessiert sie alles nicht, weil sie hat schon vor 20 Jahren aufgehört zu zählen, und das meinte sie keineswegs im Spaß, wie sie mir klarmachte, als ich darüber sprach, dass es doch völlig okay ist, 58 zu sein, weil wir lange genug jung waren und jetzt eben 58 sind. Sie jedoch nicht, denn sie hat aufgehört zu zählen schon vor 20 Jahren, ist also, als sie zum letzten Mal gezählt hat, 38 gewesen und das will sie bleiben oder was? - Lieber nicht nachfragen. Darüber hinweg gehen. Aber das haben wir nicht hingekriegt. Unser Gespräch hat sich nicht mehr erholt von diesem Anfang und am Schluss habe ich es bedauert, sie erreicht zu haben. Der Textentwurf von heute Nachmittag mit der kleinen Party, die ich veranstaltet habe um das Geschenk des Links herum, stimmte dann auch nicht mehr, obwohl es im weiteren Verlauf der Party gar nicht mehr um Anneli und ihren Geburtstag ging, sondern um eine legendäre Kuss-Szene mit Ingrid Bergmann und Cary Grant in Notorious, über die Hitchcock spricht in der Tonbandaufzeichnung (dazu part 19 anklicken:  "Notorious" through to a discussion about suspense). Von der Kuss-Szene und der Anekdote, die Hitchcock erzählt von einem Erlebnis, das er hatte bei einer Zugfahrt von Boulogne nach Paris, Beobachtung eines Liebespaares, die ihn zu der Kuss-Szene in Notorious inspiriert hat - von da aus habe ich mich treiben lassen zu weiterem Partygeplauder über Filme, die den Körper bewegen, body genresKomödien, die uns zum Lachen bringen, Melodramen, die uns weinen lassen, Thriller und Horrorfilme, die unseren Atem stocken und das Blut in unseren Adern gefrieren lassen. Und von da kam ich auf Pornofilme, das Buch, das die Filmwissenschaftlerin Linda Williams über Pornofilme geschrieben hat: Hard Core  - und von da aus wiederum - Partygeplaudere - auf einen Artikel von Naomi Wolf über die Nebenwirkungen von Pornofilmen, der in der vergangenen Woche in Die Welt stand, zusammen mit einer Erwiderung von Henryk Broder, die so dämlich ist, dass ich es beim Lesen kaum ausgehalten habe, wie er in dem Artikel zum Klischee seiner selbst wird. Der letzte Satz meines Textentwurfs von heute Nachmittag war: Naomi Wolf hat recht. - Fortsetzung Partygeplauder: Und nicht nur deshalb, weil sie besser aussieht als Henryk Broder, obwohl der gar nicht so schlecht aussieht für sein Alter. 64, demnächst 65. Naomi Wolf 48, demnächst 49. Ich 58, demnächst 59. Anneli für immer 38.  
Bild: © Judith Brunner

Samstag, 9. Juli 2011

Unreif

7.20 Uhr. Edeka n der Gleditschstraße. Obst- und Gemüse-Abteilung. Drei junge Männer und eine junge Frau füllen die Auslagen mit frischer Ware aus dem Kühlhaus. Die Stimmung gereizt. Bei mir, weil ich noch nicht gefrühstückt habe. Bei den Mitarbeitern des Supermarkts, weil sie mich ertragen müssen. Ich fasse zwei Pfirsiche an und dann eine Nektarine. Ganz sachte. Aber ich könnte sie ebenso gut in die Hand nehmen und mit aller Kraft zudrücken.
Mann, sind die hart! Wer soll die denn essen?
Junger Mitarbeiter: Sie müssen Sie ja nicht kaufen.
Und was soll ich jetzt zum Frühstück essen?
Junger Mitarbeiter: Bananen?
Für diesen Vorschlag hasse ich ihn. Doch ich halte mich zurück und sage: Ich wollte Pfirsiche. Deshalb bin ich hier.
Junger Mitarbeiter: Andere haben wir nicht.
Um mir den Weg nicht umsonst gemacht zu haben, will ich eine Schale Feldsalat mitnehmen. Keiner zu sehen. Mit dem jungen Mitarbeiter will ich nichts mehr zu tun haben. Ich frage die junge Mitarbeiterin, ob es keinen  Feldsalat gibt. Das weiß sie nicht. Sie geht nachschauen. Die Edeka-Filiale in der Gleditschstraße war einmal der bestgeführte Supermarkt, der mir in meinem Leben begegnet ist. Bei der Personalfreundlichkeit liegt er immer noch ganz weit vorne.
Während ich warte, erinnere ich mich, mit dem jungen Mitarbeiter schon bessere Gespräche geführt zu haben, und versuche es noch mal: Würden Sie solche Pfirsiche kaufen? sage ich mit Blick auf die Pfirsiche, die alle gleich aussehen (gut) und alle gleich hart sind. 
Junger Mitarbeiter: Nein.
Seine ehrliche Antwort überrascht mich. Mit ihm kann man also doch reden. Ich sage, dass es ein Irrtum ist zu glauben, dass die Pfirsiche reif werden, wenn man sie zu Hause drei Tage hinlegt. Dann werden sie weich in der Konsistenz, aber nicht reif im Geschmack (Aroma).  Doch selbst, wenn es so wäre, was soll das, Obst zu verkaufen, das man nicht gleich essen kann?
Der junge Mitarbeiter sieht das ein, gibt jetzt aber zu bedenken, dass reife Ware nun mal schnell verdirbt.
Diesen Einwand kenne ich und entgegne: Dann wird also das Geschäftsrisiko beim Handel mit verderblicher Ware auf die Kunden abgewälzt, indem man ihnen unreife Früchte anbietet.
So hat der junge Mitarbeiter es noch nicht gesehen und rät mir, mich bei der Geschäftsleitung zu beschweren. 
Ich winke ab. Ich will nicht wissen, wie viele Kunden sich wegen der unreifen Pfirsiche schon erfolglos beschwert haben, sage ich. Nein, das Einzige, was wir Kunden tun können, ist das Zeug liegen zu lassen. Dann eben keine Pfirsiche mehr zu kaufen.
Der junge Mitarbeiter sagt, dass es Leute gibt, die die harten Pfirsiche kaufen.
Ich nicke verbittert. Das ist mir bekannt. Zu diesen Leuten fällt mir nichts ein. 
Die Mitarbeiterin kommt zurück mit einer Kiste Feldsalat. Sie lässt mich eine Schale aussuchen. Ich bedanke mich für ihren Einsatz und verlasse den Supermarkt nun wenigstens nicht mit leeren Händen.

Ins Frühstücksmüsli (Seitenbacher) schneide ich mir statt eines Pfirsichs, auf den ich so Appetit hatte, einen Apfel, den ich mir gestern in der Apfelgalerie gekauft habe. Guter Apfel. Aber Äpfel kann ich im Herbst und im Winter noch oft genug essen. Jetzt ist Juli. Ende der Erdbeerzeit, Beginn der Pfirsichzeit. Aber nicht für mich, denn ich werde das harte Zeug nicht mehr kaufen.  – Dann musst du dir eben einen Laden suchen, wo sie dir reife Pfirsiche zur Seite legen, hat mir eine Bekannte gesagt.  Guter Tipp. Sofort habe ich an die Apfelgalerie gedacht, wo ich in den letzten Wochen zum Kunden geworden bin und das anfangs schwierige Gespräch mit Caty, der Chefin, von Mal zu Mal entspannter wird. Wenn sie Pfirsiche bekommen, schreibt sie mir eine Mail, hat sie mir versprochen, aber gleich dazu gesagt: So viele Pfirsiche wird es vom Obsthof in Brandenburg in diesem Jahr nicht geben. Wegen der drei Frostnächte, die sie hatten während der Pfirsichbaumblüte. – Die heimischen Pfirsiche erfroren. Die Pfirsiche aus Frankreich und Italien aussehend wie gemalt und unessbar hart. – Mehrere Kunden Catys haben ihr erzählt, dass sie schon seit Jahren keine Pflaumen, Pfirsiche oder Birnen mehr essen, wegen der Unverzehrbarkeit des Angebots. Also auch verzichten und hoffen, dass es immer mehr werden, die sich der Verzichtbewegung anschließen, damit sich etwas ändert? 

14.20 Uhr. Edeka n der Gleditschstraße. Obst- und Gemüse-Abteilung. Die Steige mit den harten Nektarinen ist noch so voll wie heute Früh. Die Steige mit den harten Pfirsichen ist zu zwei Drittel geleert und wird bestimmt gleich von der herumwuselnden Mitarbeiterin mit dem sächsischen Akzent wieder aufgefüllt. Ich notiere mir, dass die Pfirsiche und die Nektarinen aus Frankreich kommen und 3 Euro 49 kosten. Da ich die wuselnde Mitarbeiterin nicht stören will, wende ich mich an eine ihrer Kolleginnen. Ich frage sie nach einer Mail-Adresse, um an die Geschäftsleitung schreiben zu können. Sie fragt mich verdutzt, warum ich an die Geschäftsleitung schreiben will, und nachdem ich es ihr gesagt habe, wegen der harten Pfirsiche und dass ein Kollege von ihr das angeregt hat, da fragt sie mich entgeistert, was ich mir davon verspreche: Was sollen die Ihnen denn darauf antworten? – Das weiß ich nicht. Deshalb will ich ihnen ja schreiben. – Sie denkt nach. Schnappt nach Luft. Es geht ihr nicht etwa darum, mich abzuwimmeln, wie es mir zunächst vorgekommen ist; sie überlegt,  w a s  die mir antworten könnten. Damit sie es mir sagen kann. Sie ist sehr engagiert. Aber sie kommt nicht drauf, was die mir sagen könnten. Sie erklärt mir, ich solle einfach auf die Seite edeka.de gehen, da könne ich dann an den Kundenservice schreiben. Ob ich Internet habe? – Zwei ihrer Kolleginnen machen sich an Regalen in unserer Nähe zu schaffen und lauschen unserem Gespräch. Für deren Ohren bestimmt sage ich, das sei keine große Sache, ich wolle keinen Aufstand machen und ich wolle mich auch nicht über die Filiale und schon gar nicht über einen Mitarbeiter beschweren. Es geht mir nur um die unreifen Pfirsiche. – Ja, sagt sie, die sind schon sehr hart, die Pfirsiche. – Würden Sie die kaufen? frage ich. – Nein, antwortet sie so ehrlich wie ihr Kollege am Morgen.

E-aktiv markt Schrader
Barbarossastraße/69 / Gleditschstraße 56
10781 Berlin
Tel: 030 2162940
Fax: 030 2164984 

Mo - Sa 7.00 - 22.00 Uhr