Gallery Weekend. Der Gallery Cluster im Innenhof des ehemaligen Tagesspiegel-Gebäudes.
Two Kindred Spirits bei Florent Tosin.
Zwei verwandte Geister.
Drama by Kent Monkman (ã).
Samstag, 28. April 2012
Freitag, 27. April 2012
Nettigkeit
T-Shirt-Wetter! Ich komme
von Innenaufnahmen mit Jenny und will noch nicht nach Hause. Imad fotografiere ich nur,
um den Mann, der neben ihm sitzt an meine Kamera zu gewöhnen. Aber dann sagt der Mann, dass er sich erst von mir fotografieren lässt, wenn er wieder dünn ist. Ich schaue
ihn an, schaue das Besteck an, das ihm der Kellner bringt: Essen kommt gleich. Ob der noch mal dünn wird? Ich freue mich über das Foto von Imad. Titel: Händler der vier Jahreszeiten.
Und was ist das mit dem
Kunstpreis? fragt sie, noch bevor wir uns begrüßt haben, und ich kann nicht mehr darüber sagen, als im Blog steht und dass ich da mein Zeug hinschicken würde, wenn ich Bildender Künstler wäre. Dann noch Reden im Vertrauen über die Frau, die mir den Hinweis gegeben hat, und dass es zuletzt bei der künstlerisch nicht so gelaufen ist, das kann sich auch schnell
ändern, da sind Uliane und ich uns einig. Dann legt die vielleicht eine Schaffensperiode hin, dass die Welt
wackelt, sage ich, weil ich mich menschlich dazu verpflichtet fühle.
Gut gelaunt. Nur so
erreiche ich etwas bei ihr. Doch nach nur dreimal Abdrücken geht es schon wieder los mit dem Widerstand: Das muss reichen für heute, sagt sie.
– Ich: Rede nicht so mit mir, ich bin älter als du. – Das heißt gar nichts. – Oh
doch! (Klick-Klack) Jetzt habe ich es, Michaela. Das ist es, was ich wollte. – Neulich habe ich mal zu ihr gesagt: Es ist mir egal, was du
über mich denkst. Bei dir habe ich einfach ein gutes Gefühl. – Als Nettigkeit dahergeredet, um sie
einzuwickeln, damit sie sich fotografieren lässt, und hinterher gemerkt, dass es stimmt. Genau so ist es, wie ich es gesagt habe.
Donnerstag, 26. April 2012
Selbsternannt
Wir kennen uns seit letzter Woche, haben uns Mails
geschrieben wegen einer empfindlichen Reaktion von ihr auf ein Posting von mir. Alles,
was ich von ihr weiß: es ist dünn geworden bei ihr künstlerisch in den letzten
Jahren (Eindruck von ihrer Website) und sie hat ein sehr großes Ego. Ich
kann sie noch nicht einschätzen. Sie mich auch nicht. Am Montag weist
sie mich auf die Ausschreibung des Losito Kunstpreises 2012 hin, weil sie meint, dass das gerade ein Thema von mir ist:
mit Geld sich Ansehen kaufen oder Anerkennung als Künstler finden. Sie hat offenbar mein Posting Genthiner Straße gelesen mit dem Subplot über den Schweizer Künstler, der zur Zeit bei Gilla Lörcher ausstellt und dessen Arbeiten ich so finde, dass ich es mir nicht anders vorstellen kann, als dass die
Galeristin mehr als Kunst von ihm bekommen hat für diese Ausstellung. Mir nicht anders vorstellen kann. Ich weiß es nicht. Ich habe die Frage gestellt,
ich werde sie Frau Lörcher stellen, wenn es mir einmal gelingen sollte, sie anzutreffen. Aber ob nun an meiner Mutmaßung was dran ist oder ob ich mich völlig verstiegen habe und dazu noch dem Künstler Unrecht tue, ich kann einen Künstler nur beglückwünschen, wenn er die Mittel hat, sich eine Ausstellung zu kaufen. – Niemand
hier in der Straße kann von seiner Galerie leben, hat mir neulich einer gesagt,
der es wissen muss. Straße: Pohlstraße. Und irgendwo muss das Geld herkommen
für die Miete, den Strom, die Heizkosten, für den patenten aufgeweckten Assistenten oder die aufgeweckte patente Assistenten. So viel zum Thema: Ich kaufe mir
eine Ausstellung. Fazit: Ja, warum denn nicht?
Zweiter Teil: Ich errichte
eine Stiftung. – Komische Ausdrucksweise. Da sehne ich mich nach der alten Sprache zurück:
eine Stiftung ins Leben rufen. Und warum eigentlich nicht eine Stiftung
einrichten? Nein, es heißt, eine Stiftung errichten. Die Stiftung ist die Losito • Kressmann-Zschach Foundation. Sie lobt dieses Jahr zum ersten Mal einen Kunstpreis aus – 15.000
Euro für maximal drei Arbeiten. Was ist dagegen zu sagen? – Es fängt damit an, dass die Frau mit dem sehr großen Ego sich mokiert darüber, dass Donatello Losito vor
seiner Künstlerkarriere und seiner Verbindung mit Frau Kressmann-Zschach von Beruf Stuckateur war. Dann bezeichnet sie die
Stiftung als eine selbsternannte und betrachtet das Ganze als einen Fall von Ansehen mit Geld erkaufen und schließlich meint sie, damit könnte ich mich doch mal befassen, aber Vorsicht schreibt sie, die
könnten beißen, die haben Geld, das heißt Macht! – Ohne nachzudenken, antworte ich ihr, das Thema
sei mir zu zeitungsmäßig, ich befasse mich nur mit dem, was mir über den Weg läuft
oder über was ich stolpere. Dazu schicke ich ihr einen Link zur Kolumne des beliebten Internet-Verstehers Sascha Lobo mit einem Exkurs über den Wortgebrauch von selbsternannt. Unterdessen habe ich angefangen zu denken und frage mich, ob es auch noch andere als selbsternannte Stiftungen gibt, anders
gefragt: Wer anders als der Stifter selbst
soll eine Stiftung errichten? – Und da ich schon dabei bin, mich über die Frau
mit dem sehr großen Ego zu wundern: Was ist das denn für ein Neo-Biedermeier, sich
das Maul zu verreißen über die Verbindung eines Stuckateurs mit einer namhaften
Berliner Architektin? Und Künstler war der Stuckateur auch noch! Selbsternannt wahrscheinlich. Wie sympathisch! möchte ich laut rufen. Jedenfalls kann ich an der Ausschreibung des Losito Kunstpreises nichts finden, was Berliner oder Brandenburger KünstlerInnen (nur die sind zugelassen) davon abhalten sollte, bis zum 30. Mai ihre Arbeiten einzureichen.
Und die Frau mit dem
großen Ego? – Wie wird sie die Belehrung von Sascha Lobo aufgenommen haben? - Ich werde sie fragen.
Gibt es überhaupt ein Wort, das mehr Obrigkeitshörigkeit und Hierarchieunterwerfung ausdrückt als "selbsternannt", wenn man es abfällig verwendet? Wenn man die Selbsternennung als etwas Schlechtes ansieht - ist man dann nicht dazu verdammt, auf die Ernennung durch den Vorgesetzten, hierarchisch Berechtigten zu warten oder auch gleich auf Godot? (...)
Mittwoch, 25. April 2012
Lieblinge
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| Christoph Damm o.T. - weiß Acryl auf Leinwand je 0,2 x 0,2 m 2006 - 2009 |
Kill your darlings. Noch einer der besseren Sprüche, die sich ein
Autor in Drehbuchbesprechungen anhören muss. Von Dramaturgen, Produzenten, Redakteuren, Leuten, die noch nie in ihrem Leben eine Idee hatten,
auch nie eine haben werden und nun selbstgefällig sich zurücklehnen und den Autor mit erhabenem Grinsen auffordern, sich von einer Lieblingsidee zu trennen, weil sie nicht funktioniert, weil sie meinen,
dass der Plot besser funktionieren wird ohne dieses Thema, diesen Charakter,
diese überraschende Wendung, diese Szene, diese Macke des Protagonisten, dieses Love Interest … – aus was ein Plot eben besteht.
Für die Leute, die noch nie eine Idee hatten oder haben werden, nicht mehr als ein
Spielplan, für den Autor ein atmender, fühlender Organismus. Um
dessen Überleben kämpft er nun, wie um das Leben eines Kindes. Und die
Leute ohne die Ideen, die kennen das schon – deshalb reden sie ja auch süffisant von darlings – und überlassen den Autor nun am
besten sich selbst. Der geht hasserfüllt nach Hause und ahnt aber schon, dass
er es am nächsten Tag ohne seine Lieblingsidee probieren wird und dass sich dann zeigt, dass die Leute ohne Ideen recht hatten, dass der Plot nun besser
funktioniert. Oder er denkt gar nicht daran, sich von den Leuten, die immer nur wissen, wie es nicht geht, hineinreden zu lassen in seine Geschichte, und sein Hass und seine Verzweiflung geben ihm die Kraft und den Mut, ihnen zu zeigen, wie es doch geht … .
Kill Your Darlings. Das
ist der Titel meines nächsten längeren Textes. Vorgestern begonnen. Anders, als
bei den beiden Geschichten davor, weiß ich dieses Mal nicht jetzt schon, wie
es ausgehen wird. - Was ausgehen wird? Der gleiche Konflikt wie in der Drehbuchbesprechung. Einer
sagt: kill your darlings, und der Autor tut das oder er rettet seine Lieblinge.
– Und was für Lieblinge sind das? – Verrate ich (noch) nicht.
Kunst: ã Christoph Damm
Dienstag, 24. April 2012
Genthiner Straße
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| Ecke Gleditsch-/Winterfeldtstraße |
Montag, 23. April 2012
Tränen
An diesem Laden komme ich vorbei, seit ich von Schöneberg aus Richtung Kudamm oder Zoo gehe. Und genau so lange hat der jetzige Besitzer den Laden. Seit 1997. In den ersten Jahren ein gutes Geschäft. Er hatte die alten Kunden vom Vorbesitzer. Zu denen kamen die jüngeren Kunden, die er gewonnen hat. Doch die kaufen jetzt über das Internet und die alten Kunden machen, was alte Leute immer machen, sie sterben und vorher trinken sie nicht mehr so viel, weil sich der Alkohol nicht verträgt mit den Medikamenten, die sie nehmen müssen. Außerdem darf nicht vergessen werden, in der Zeit, in der er den Laden hat, gab es zweimal Erhöhungen der Mehrwertsteuer, die Einführung des Euro ... . – Und die damit einhergehende Teuerung. – Richtig. Und es gab 2001 den 11. September. – Das hatte Einfluss auf Ihr Geschäft? – Oh ja. Ich habe das damals gar nicht im Fernsehen mitgekriegt. Ein Kunde hat es mir erzählt und der hat dann auch noch eine Flasche kalifornischen Rotwein gekauft. Auf jeden Fall war nach diesem Tag nichts mehr so wie es vorher war. – Aber was war das, was von diesem Ereignis in Ihrem Laden angekommen ist? – Er kann es nicht sagen. Ich überlege, was das gewesen sein könnte, mache mehrere Vorschläge, und dann haben wir es: ein Leichtsinn, den es vorher gegeben hat gesamtgesellschaftlich (und wie schön war der), den gab es danach nicht mehr. Und ist doch klar, dass sich so etwas auswirkt auf das Geschäft in einem Laden, der Internationale Weine und Spirituosen anbietet. Deshalb also die Aufkleber im Schaufenster: Zu vermieten. – Zu verkaufen. Die habe ich bemerkt auf dem Rückweg, als ich heute zum zweiten Mal an dem Laden vorbeikam und noch mal rein bin, um zu fragen, was die Aufkleber zu bedeuten haben, und darauf hat er mir erzählt, dass er mit zwei Monatsmieten im Rückstand ist und wie es dazu kam.
Ganz anderes Gespräch auf dem Hinweg. Da bin ich in den Laden gegangen, nachdem mir die Werbung für Writer´s Tears aufgefallen war, und habe zu dem Mann im Laden gesagt, dass ich auch ein writer bin, ein kleiner, und gerne wissen würde, von wem der auf dem Etikett abgedruckte Satz ist, doch bestimmt von einem berühmten Autor und Whiskey-Trinker. Zu meiner Verwunderung wusste der Mann im Laden das nicht, hat mir dann aber den Whiskey gezeigt, obwohl ich ihm gleich sagte, dass ich ihn mir nicht kaufen wolle. Doppelt schade. Seinetwegen; ich hätte den guten Mann gerne mit einem Kauf unterstützt. Meinetwegen; weil ich beim Trinken des Writer´s Tears-Whiskey mich daran hätte freuen können, dass er ohne Farbstoffzusatz ist. Das habe ich nun nämlich gelernt, dass selbst teuersten, jahrzehntelang im Fass gereiften Whiskeys Farbstoff (Zuckercouleur) zugesetzt wird, da anders die von den Kunden erwartete gleichbleibende Färbung von einem Naturprodukt wie Whiskey nicht zu kriegen ist. Und außerdem hätte ich mich beim Trinken noch an der Konsistenz von Writer´s Tears erfreuen können – daran, wie der Whiskey im Glas herunterfließt. Schlierig. Wie Tränen. Tears. Writer´s Tears.
Beim ersten Mal habe ich dem Mann im Laden noch fröhlich gute Geschäfte gewünscht, als ich weiter ging, und er hat sich ebenso fröhlich dafür bedankt. Beim zweiten Mal habe ich ihm beim Abschied Alles Gute gewünscht wie jemandem, dem eine Operation am offenen Herzen bevorsteht, und so ernst hat er sich für den Wunsch auch bedankt. Mensch!
Landsmann
Internationale Spirituosen&Weine
Martin-Luther-Straße 34
(Ecke Hohenstaufenstr.)
10777 Berlin
030 218 41 96
Sonntag, 22. April 2012
Mel et Fel
Honig und Galle. Lust und Bitterkeit. – Von wem ist der Titel? – Na von mir, sagt die Galeristin Helga Maria Bischoff. Erst, als sie den Titel gefunden hatte, hat sie unter acht Künstlern, von denen ihr Arbeiten vorlagen, sich für die drei Frauen entschieden, die sie unter der lateinischen Überschrift Mel et Fel zusammenbringen wollte. Eine Fotografin, zwei Malerinnen. Die Fotografin Gabriella Hohendahl und die Malerin Tijana Titin, beide Anfang 30, beider Thema sind Paare und was Paare zu Paaren macht: Sex.
Die Arbeiten der Malerin Bernadette Rottler dagegen selbstbezogen. Frauenporträts, nicht weniger sinnlich, aber hier ist die Bitterkeit nicht a memory away wie bei Gabriella Hohendahl und die Abgründigkeit ist keine Drohung wie bei Tijana Titin. Die Lust ist einsam, die Bitterkeit ist der Sinnlichkeit ins Gesicht geschrieben und der Abgrund tut sich auf beim Blick in den Spiegel wie in ihrem Selbstporträt Bernadette.
Weiß Gabriella Hohendahl denn nicht, dass inzwischen alle Schweizer KünstlerInnen in Berlin leben? Sie hat es gestern nicht geschafft, zur Ausstellungseröffnung von Winterthur an den Kollwitzplatz zu kommen. Sie wird an einem der nächsten Wochenenden anreisen und ich hoffe, dann mit ihr sprechen zu können. Nicht über He is only a memory away, die erotische Kurzgeschichte, erzählt in zwei Bildern:
Reden möchte ich mit Gabriella Hohendahl über die beiden Serien ohne Titel. Storyboards nennt sie die beiden Sequenzen, von denen die eine ein Paar zeigt beim Sex, und die andere Sequenz zeigt das Paar nach dem Sex. Worauf ich nicht gekommen wäre, wenn die Galeristin es mir nicht gesagt hätte, dass das Melodram, das die zweite Sequenz zeigt, sich gleich nach dem Sex ereignet hat. Aber das ist nicht so wichtig, und es ist auch nicht das, worüber ich mit Gabriella H. reden möchte. Ich will mit ihr ins Gespräch kommen, um zu sehen, was für eine Person sie ist, dass sie es schafft, diese Intimität zuzulassen in ihrer Fotografie, ohne pornografisch zu werden oder, genauso künstlich, die sexuelle Handlung ästhetisch zu überhöhen und ihr damit die Alltäglichkeit und das Selbstverständliche zu nehmen.
Was kann ich über Tijana Titin mehr schreiben, als ich schon geschrieben habe über sie (hier und hier)? – Dass ich mich freue, wie gut sie präsentiert ist in der kleinen feinen Galerie von Helga. M. Bischoff. Dass es gut ist, dass das geklappt hat mit dem Atelier in ihrer Nähe (am Platz der Luftbrücke) und sie nun nicht mehr erst zwei Stunden BVG fahren muss, um malen zu können. Dass es ein Glück für sie ist, so eine Freundin zu haben wie ihre Kollegin Marija Felker, die ich kennengelernt habe gestern. Und: Dass ich es eines Tages schaffen will, in einem Satz gesagt zu kriegen, was es genau ist, was mich an Tijanas Bildern so packt und – zur Zeit ein Leitmotiv bei mir – was sie so gegenwärtig macht und: ihnen den pop impact gibt, von dem ich gesprochen habe, als die Assistentin der Galeristin – Christina, Kunsthistorikerin aus Dänemark - vom Barock-Einfluss in Tijanas Pieces of Heaven-Zyklus gesprochen hat.
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| Christina |
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| Marija |
Mel et Fel
Gabriella Hohendahl
Bernadette Rottler
Tijana Titin
Bis 16. Mai 2012
Kollwitzstr. 74
10435 Berlin
galerie@hmbischoff.com10435 Berlin
Tel: +49 (30) 25817545
Mobile: +49 (176) 32684113
Opening Hours:
Tuesday - Friday 3 - 7 pm & Saturday 12 - 4 pm
Kunst: ã Hohendahl, Rottler, Titin
Fotos: ã w.g.
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